Bester Schreiner kommt aus Waiblingen

Waiblinger Zeitung, Liviana Jansen,  10.08.2017

 

 (Foto: Benjamin Büttner)

Der BBW-Auszubildende Fabian Hummel (26) ist Prüfungsbester im Rems-Murr-Kreis

Waiblingen. Er hat es geschafft: Fabian Hummel hat gerade am BBW seine Ausbildung zum Schreiner abgeschlossen – und das als Prüfungsbester im ganzen Kreis. „Es ist mein Traumberuf“, sagt der Waiblinger. Nun will er einige Jahre Berufserfahrung sammeln. Später möchte er als Entwicklungshelfer nach Afrika gehen.

Drei Jahre lang hat er gehobelt, gefeilt, geleimt und geschwitzt. Nun hat Fabian Hummel seine Gesellenprüfung zum Schreiner mit Bravour bestanden: mit einer Abschlussnote von 1,7 als bester Prüfling im Rems-Murr-Kreis. „Ich konnte es selbst kaum glauben und ich glaube, auch beim BBW waren alle richtig stolz“, berichtet der 26-Jährige. Es war bereits seine zweite Ausbildung, ursprünglich hatte der gebürtige Kirchheimer den Beruf des Lacklaboranten erlernt. „Aber das war nichts für mich“, erinnert er sich. In seiner Firma sei er „nur eine Nummer“ gewesen und habe stur nach Rezept Lacke zusammengemischt. Etwas Kreativeres sollte es sein, mit mehr Handwerk. Holz, sagt Hummel, habe ihm als Material schon immer gefallen. Schnell sei die Idee entstanden, eine zweite Ausbildung zu machen, diesmal zum Schreiner. Wegen gesundheitlicher Probleme entschloss der junge Mann sich, seine Ausbildung am Berufsbildungswerk Waiblingen (BBW) zu machen und fand dort in Joachim Scheibel einen wahren Meister: „Von ihm habe ich wahnsinnig viel gelernt“, sagt Hummel, der in seiner Freizeit Kakteen züchtet. Zum Beispiel, wie ein Musikinstrument gebaut wird, denn daran versuchte sich der Azubi in seinem zweiten Lehrjahr und baute eine E-Gitarre aus Mahagoniholz, furniert mit geräuchertem Eukalyptus.

Auf diese, sagt der Schreiner, sei er besonders stolz – aber auch auf sein Gesellenstück, eine Anrichte aus Ahorn und Nussbaum, aus deren Mitte ein Kaktus sprießt. Auch bei den Prüfern kam diese gut an und schaffte es in die Ausstellung der besten Werkstücke. Auch eine Garderobe, die er in seiner praktischen Abschlussprüfung angefertigt hatte, wurde dort gezeigt. „Das war schon ein tolles Gefühl, ich hätte das selbst nie gedacht“, sagt Hummel. Zu sehen, was die anderen Prüflinge als Gesellenstücke abgeliefert hatten, habe ihn schon ein wenig verunsichert. So habe einer beispielsweise eine Gitarrenwerkbank hergestellt, ein anderer ein DJ-Pult und wieder ein anderer ein vertikales Schachbrett.

Es gibt jeden Tag etwas anderes zu tun

Einen Job hat der Prüfungsbeste auch schon gefunden: Er wurde in dem Betrieb übernommen, in dem er sein letztes Praktikum absolviert hatte, im Holzforum in Fellbach. „Insgesamt hatten wir drei Praktika“, erzählt Hummel. So sammelte er bereits während der Ausbildung in den Werkstätten des BBW Erfahrung in Betrieben. „Ich war in einem Atelier, das Möbel restauriert, bei einem Schreiner in Fellbach und dann eben hier im Holzforum“, sagt er. Diese vielfältigen Erfahrungen hälfen ihm nun, seinen neuen Aufgaben gerecht zu werden. Fabian Hummel fühlt sich inzwischen angekommen – im neuen Betrieb und in seinem Beruf. Wechseln wolle er nicht mehr. Es sei abwechslungsreich, jeden Tag gebe es etwas anders zu tun, schwärmt Hummel. Mit den Händen etwas zu erschaffen sei schön. „Und man ist abends stolz, wenn man ein Möbelstück fertiggestellt hat.“ Natürlich gehöre auch Geduld dazu: „Manchmal braucht das Holz einfach Zeit.“ Dann müsse es ruhen, arbeiten dürfen und erst danach könne es weiterverarbeitet werden. Alles in allem sei Schreiner aber sein Traumberuf.

Einen anderen Traum möchte er sich aber noch erfüllen: In ein paar Jahren wolle er für ein Jahr als Entwicklungshelfer nach Afrika gehen. „Ich möchte dort etwas zurückgeben“. Und der neue Chef? Der würde ihn freistellen. Bis es aber so weit ist, will er erst mal sein Handwerk festigen – und sich seinen zweiten großen Traum erfüllen: etwas bauen, das bleibt. „Einen Altar oder Kirchenbänke bauen, das wäre toll“, sinniert Hummel. Dann könne er als alter Herr noch dort hingehen und zu seinen Enkeln sagen: „Guckt mal, das habe ich einst gebaut.“ So etwas sei wohl der Traum eines jeden Schreiners.

Bester Schreiner kommt aus Waiblingen

 (Foto: Benjamin Büttner)

 

Navigation